Sat-Anlagen
Noch größer als im Kabel ist die Auswahl via Satellit. Bereits mehrere Hundert Programme können auf diesem Wege empfangen werden. Darüber hinaus bieten die Satelliten auch internationale Programmvielfalt aus vielen Ländern. Der Satellitenempfang freut auch die Urlauber, die fast überall in Europa nicht mehr auf das heimische TV-Programm verzichten müssen.
Wie funktioniert der Empfang?
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Die Satelliten sind geostationär in einer Höhe von 36.000 km im Weltall „geparkt“. Von den Bodenstationen versorgt, verteilen sie die Programme je nach der so genannten Ausleuchtung über recht große Gebiete. Diese Reichweite wird in den „Footprints“ dargestellt und kann sich sogar über das gesamte westeuropäische Gebiet erstrecken. |
Zum Empfang dieser Mikrowellen benötigt man eine Parabolantenne in deren Zentrum der so genannte LNC oder LNB (Low Noise Converter oder Low Noise Blockconverter) als eigentlicher Empfänger befindet. Auf die Satelliten ausgerichtet, empfangen sie die Signale, die im Frequenzbereich von 9,75 bis 12,75 GHz ausgestrahlt werden. Dabei gibt es noch unterschiedliche Polarisationsebenen, horizontal und vertikal. Der LNB wandelt das Signal in die so genannte Sat-ZF zwischen 950 und 2150 MHz um.
Für diesen Frequenzbereich sind die Satelliten-Receiver ausgelegt, die als Vorschaltgeräte die Signale für Radio- und Fernsehgeräte oder Videorecorder verständlich machen. Von einigen Herstellern gibt es aber auch bereits TV-Geräte mit integriertem Sat-Empfänger. Zwei Tatsachen sollte man allerdings nicht vergessen: 1. Für jedes Fernsehgerät und auch für jeden Videorecorder benötigt man einen separaten Satelliten-Receiver. 2. Die Antennen können in der Regel nur Signale eines Satelliten empfangen. Wer die Signale mehrerer Satelliten empfangen möchte, kann entweder eine Multifeedhalterung für zwei LNB montieren oder sich für eine drehbare Antenne entscheiden. Mulitfeed-Lösungen funktionieren bei Satelliten, die nahe nebeneinander positioniert sind, z.B. Astra und Eutelsat. Eine drehbare Antenne kann per Motor und Steuerung immer wieder auf verschiedene Satelliten ausgerichtet werden.
Welche Empfangsmöglichkeiten gibt es ?
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Einzel- und Mehrteilnehmerempfang.
Einzelempfang
Beim Einzelempfang wird die Leitung von der Außeneinheit (=Antenne und LNB) direkt zum Satellitenreceiver verlegt. Eine einfache Sache, aber nur für ein TV-Gerät bzw. eine Empfangsstelle. Möchte man für Aufnahmen auch einen Videorecorder oder auch nur das zweite Fernsehgerät im Schlafzimmer mit Satellitenprogrammen versorgen, ist bereits eine Verteilung des Sat-Signals erforderlich.
Für die Versorgung mehrerer Haushalte oder auch nur mehrerer Antennendosen gibt es wiederum zwei Varianten: Empfang und Umsetzung mit einer Kopfstelle oder die Sat-ZF-Verteilung. Generell vermeiden beide Lösungen die teilweise hässlichen Schüsselwälder an Fassaden oder Balkonen. Wann welche Lösung wirtschaftlicher ist, hängt von den örtlichen Gegebenheiten und der Zahl der Anschlüsse ab. Miniatur-Kopfstellen können schon ab vier Teilnehmern wirtschaftlich arbeiten.
Mehrteilnehmerempfang mit Sat-ZF-Verteilung
Sat-ZF-Verteilanlagen ermöglichen jedem Teilnehmer unabhängig von den anderen den Zugriff auf jedes der empfangbaren Programme je Polarisation des Satelliten auf den die Antenne ausgerichtet ist. Dazu gelangen die Signale des LNB an einen sogenannten Multischalter. Der Multischalter stellt für jedes nachfolgende Empfangsgerät das gewünschte Signal zur Verfügung. Die Umschaltung zwischen den vorhandenen Signalen erfolgt durch die angeschlossenen Sat-Receiver mit Hilfe von Schaltsignalen, die entsprechend bei der Programmierung der Receiver vorgegeben werden. Am häufigsten verbreitet sind Multischalter mit vier oder acht Ausgängen und drei oder fünf Eingängen. Das bedeutet, dass man die Signale eines Satelliten sowie jeweils das terrestrische Signal (drei Eingänge: Satellit horizontal und vertikal polarisiert plus terrestrisch) oder von zwei Satelliten (fünf Eingänge: Satellit zweimal horizontal und vertikal polarisiert plus terrestrisch) anbietet und auf vier oder acht Empfangsstellen verteilt. Bei der Verkabelung empfiehlt sich bei der Neuinstallation ausschließlich die Sternstruktur, d.h. jeder Anschluss erhält ein separates Kabel zum Multischalter.
Mehrteilnehmerempfang mit Kopfstellen
Sollen größere Wohneinheiten mit Satellitenempfang versorgt werden, oder lassen die baulichen Voraussetzungen keine neue Verkabelung zu, kommen die so genannten Kopfstellen ins Spiel. Kopfstellen sind an einem zentralen Ort platziert, entweder direkt unter den Dach bei der Antenne oder auch im Keller. Sie gewinnen aus der Sat-ZF die Video- und Audio-Signale zurück und modulieren diese anschließend in die Frequenzen des HF-TV-Kanalrasters. Diese Signale wiederum werden in das vorhandene Antennenverteilnetz eingespeist. Die auf diese Weise gewonnenen Signale liegen im Frequenzbereich zwischen 47 und 863 MHz und unterscheiden sich nicht von denjenigen, die terrestrische Fernsehsender ausstrahlen. Kopfstellen haben zwei entscheidende Vorteile: 1. Man benötigt keine zusätzlichen Sat-Receiver, d.h. jedes Fernsehgerät und jeder Videorecorder kann die Signale verarbeiten. 2. Die vorhandene Verkabelung des Antennenverteilnetzes kann damit genutzt werden, auch wenn sie in Baumstruktur ausgeführt ist. Den Vorteilen steht ein Nachteil gegenüber: Die kanalselektive Aufbereitung, d.h. für jedes gewünschte Sat-Programm muss ein Empfänger oder Einschub in der Kopfstelle vorhanden sein. Die Wohngemeinschaft muss sich also für eine Programm-Menge und -Auswahl entscheiden, während beim Individualempfang und bei der Sat-ZF-Verteilung immer alle Programme des gewählten Satelliten zur Verfügung stehen.
Übrigens: Auch die Einspeisung der TV-Signale in die Kabelnetze funktioniert nach dem gleichen Schema wie der Empfang mit einer Kopfstelle. Nur die Verteilnetze sind entsprechend größer.
Digitales Fernsehen und Sat-Empfang
Einzig bei der digitalen Ausstrahlung via Satellit ist die Situation schon weiter fortgeschritten. Leider setzen jedoch viele Konsumenten digitales Fernsehen mit Pay-TV gleich. Das ist jedoch grundlegend falsch. Inzwischen sind über Satellit mehr digitale Programme frei, d.h. ohne zusätzlich Kosten, zu empfangen als analoge, so dass dieser Fehleinschätzung getrost begegnet werden kann. Und alle analogen Sender sind auch digital zu haben. Es gibt beim Satellitenempfang also keine Argumente mehr, analog zu bleiben. In Zahlen ausgedrückt sendet alleine das Satelliten-System Astra heute schon rund 300 digitale TV-Programme und fast ebenso viele digitale Radioprogramme. Nach Aussagen der Arbeitsgemeinschaft Satellitenempfang (AG SAT) gewinnt die Umrüstung von analoger zu digitaler Sat-Empfangstechnik immer mehr an Fahrt. Eine ähnliche Entwicklung bestätigt auch der Satellitenbetreiber SES Global (Astra).
Voraussetzungen für digitalen Empfang
Für den Empfang von digitalem TV via Satellit muss lediglich der LNB digitaltauglich sein. Seit einigen Jahren gibt es nur noch so genannte Universal-LNB, die sowohl analogen als auch digitalen Empfang erlauben. Bei den Endgeräten haben die digitalen Receiver, oder auch Set-Top-Box genannt, die gleichen Funktionen wie die analogen Geräte und es gibt auch von einigen Herstellern schon Fernseher mit der Möglichkeit, einen digitalen Receiver zu integrieren. Auch im Bereich der Kopfstellen hat sich der Markt bereits in Richtung digital gedreht. In diesem Segment gibt es digitale Varianten für alle Anwendungen und Größenordnungen.
Ist gemischter Betrieb möglich?
Wer möchte, kann in der Übergangszeit noch beide Übertragungsarten, also analog und digital, gemeinsam nutzen. Dann sind allerdings auch doppelt so viele Signale zu verteilen und zu verarbeiten. Die Hersteller bieten hier für die Sat-ZF-Verteilung das sogenannte DiSEqC-System (Digital Satellite Equipment Control) an, das die Umschaltung zwischen analogem und digitalem Bereich sowie auch die Umschaltung der Polarisation erlaubt. Im Vergleich zur herkömmlichen Umschalttechnik mit einem 22 kHz-Signal, arbeitet DiSEqC ebenfalls digital. Die 22 kHz-Schaltfrequenz dient dabei als Träger für digitale Datentelegramme. LNB, Multischalter und Sat-Receiver müssen dafür allerdings geeignet sein. Je nach Anforderung kann man unter mehreren DiSEqC-Ausbaustufen wählen.