Home Karriere im Handel Interview mit Adrian Hotz: Karriere im E-Commerce

Adrian Hotz ist Dipl.-Kfm. und beschäftigt sich mit E-Commerce Innovationen und Multi-Channel-Management. Er berät Händler und Hersteller. Hotz hält regelmäßig Vorträge, gibt Workshops für Unternehmen und bloggt unter insideecommerce.de. Die Zukunft des Handels sieht er im E-Commerce. Für handelswissen.de gibt er Einblicke in die Entwicklung der Branche und äußert sich zu Karrierewegen und -chancen im E-Commerce für Berufseinsteiger.

E-Commerce ist seit einiger Zeit das alles beherrschende Thema im Handel – wie lange wird das Wachstum noch weitergehen?
Hotz: Das Wachstum ist noch lange nicht am Ende. Wie Jeff Bezos so schön gesagt hat: „It’s still day one in ecommerce“. Viele Geschäftsmodelle sind online einfach günstiger, schneller und effizienter umzusetzen als mit den herkömmlichen offline Handelsgeschäftsmodellen. So wie früher die Tante Emma-Läden von Warenhäusern und Systemhäusern verdrängt wurden, werden diese jetzt vom online Handel verdrängt. Schumpeter nennt diesen Prozess schöpferische Zerstörung.

Wie haben sich die Anforderungen an den Handel durch den E-Commerce verändert?
Hotz: Handelsunternehmen müssen ihre Rolle neu definieren. In der offline Zeit hatten Handelsunternehmen vor allem eine beratende und selektierende Funktion für den Kunden. Heute ist das Informationsdefizit zwischen Kunde und Handel durch Google nahezu komplett aufgehoben. Häufig ist ein Kunde, der heute einen Laden betritt, genauso gut oder sogar besser informiert als der Verkäufer. Darüber hinaus ist die Selektion gar nicht mehr notwendig. Durch die räumliche Trennung von Verkaufs- und Lagerort im E-Commerce ergeben sich völlig neue Möglichkeiten für das Produktsortiment eines Händlers. Ein neues Produkt ist lediglich ein weiterer Eintrag im System. Das Angebot von Amazon, Alibaba oder Zalando wäre mit einem rein stationären Konzept niemals abzubilden.

Warum ist der Vorsprung von online Händler gegenüber stationären Händlern und Herstellern im E-Commerce nach wie vor so groß?
Hotz: Die komplette DNA von online Händlern ist anders als die der stationären Händler. Sie sind mit dem Internet als Vertriebskanal aufgewachsen, haben ihre Organisation, Strukturen, Systeme, Prozesse und Kultur darauf ausgerichtet. Das ist bei traditionell stationären Händlern nicht der Fall. Hinzu kommt, dass das Internet als Vertriebskanal lange Zeit völlig unterschätzt wurde. Dabei ist E-Commerce nicht einfach nur ein zusätzlicher Vertriebskanal, sondern einer, der die meisten anderen Vertriebskanäle nahezu komplett ersetzt. Das Thema ist von höchster strategischer Bedeutung und muss entsprechend hoch angelegt und von der Geschäftsführung zu 100 Prozent unterstützt werden. E-Commerce funktioniert nicht mit halber Kraft, wenn man erfolgreich sein will.

Welche neuen Berufs- und Arbeitsfelder durch den E-Commerce entstanden?
Hotz: Die Berufsfelder sind sehr vielfältig. Die größte Änderung ist sicherlich die im Vergleich zu früheren Geschäftsmodellen hohe Bedeutung von IT- und Technologiekompetenz. Die großen und erfolgreichen Unternehmen wie Amazon, Zalando oder auch Otto transformieren immer mehr von Handels- zu Technologieunternehmen. Die kontinuierliche Weiterentwicklung von Software und Systemen oder die Optimierung von Prozessen setzt eine hohe dynamische Arbeitsweise voraus. IT-Projektmanagementmethoden wie Scrum oder Rapid Prototyping sind hierfür von großer Bedeutung. Ein Geschäftsftsmodell im E-Commerce ist niemals „fertiggestellt“ es gibt immer Verbesserungsbedarf nach dem Prinzip: probieren, testen, messen, bewerten. Das macht die Branche so interessant, sie ist immer in Bewegung.

Was raten Sie jungen Bewerbern, die eine Karriere im E-Commerce anstreben?
Hotz: Prinzipiell ist jeder, der daran interessiert ist in einer jungen, dynamischen Branche zu arbeiten, im E-Commerce gut aufgehoben. Wenn dazu noch ein wenig Begeisterung für online Themen, vielleicht auch die Start-up Szene sowie Affinität zu Technologie- und IT-Themen hinzu kommt ist das noch besser. Um Fuß zu fassen ist Praxiserfahrung immer von Vorteil. Einfach für ein Praktikum bei einem Handelsunternehmen oder einem Start-up bewerben. Hier in Köln gibt es zum Beispiel mit dem Startplatz einen Inkubatoren in dem viele Start-ups sitzen. Hier bekommt man viel über Anforderungen und Herausforderungen in der Szene mit. Ansonsten die Fachpresse verfolgen, ein gutes Medium für Neuigkeiten, Trends und Analysen rund um das Thema E-Commerce ist zum Beispiel etailment.de.

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